Gestern verbrachten wir den Tag am Wasser. Badeten wie immer im Weissensee, in dem die Algen sich mehr und mehr ausbreiten. Danach fuhren nach Kreuzberg, wo wir in einem Restaurant am Fluß einem Freund zur bestandenen Doktorprüfung gratulierten und uns nach dem Essen in Liegestühlen direkt am Wasser niederliessen, um alles Geschehene und alles Weitere zu besprechen. Unsere Reise sollte am Wasser entlang weiterführen. Wir verfransten uns am Ostkreuz uns fuhren unvermutet auf der Stralauer Insel, deren Ruhe und Zurückgezogenheit uns begeisterte. Es war ganz Berlin-untypisch: Nichts kaputt, grösstenteils Neubauten, ein glücklich aussehendes Publikum, das am Ufer Gitarre und Mundharmonika spielte. Von Rest-Berlin, dem Treptower Park, dem Hafen, dem geschäftigen nächtlichen Treiben zwischen Ostkreuz und Ostbahnhof, bekamen wir nichts mit, zwischen den Menschen dort und uns lag das Wasser, das dunkle, träge Wasser, das alle Laute aufsaugte.

Nach einer Tour über die Insel schlugen wir uns nördlich auf das Rummelsburger Ufer, wo die Szenerie unverändert so weiterging. Wir hatten die Berliner Riviera entdeckt, das einzige was fehlte, war ein Späti.

Später standen wir auf der Kuppel eines der Silos, in denen heute Nacht Musik spielte und flimmernde Projektionen an den Wänden hingen. Südlich des Riesenrads im Spreepark blitzte der Himmel unentwegt, die Luft über Berlin aber war bloss gesättigt von Feuchtigkeit, kein Tropfen sollte hier bis zum Morgengrauen fallen. Wieder später lagen wir erneut am Rummelsburger Ufer, sogen die Stille des Wassers in uns auf, froh, endlich einen ruhigen Hort inmitten der Hektik gefunden zu haben.

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