Belgrad I

Belgrad triefte bei meiner Ankunft. In Novi Sad hatte es noch geregnet,  in der Hauptstadt tropfte es nur noch, als wir in den Bahnhof einfuhren. Marco wartete mit einem Bier im Cafe am Ende der Gleise. Wir sassen und tranken. Von unseren Glaesern perlte die Fluessigkeit wie eine alte Bekannte, die sich freute, endlich die Tischdecke zu erreichen. Wir hatten viel zu erzaehlen, Marco war zwei Wochen lang ueber die Inseln der damlatischen Kueste gefahren und auch ich hatte waehrend der letzten Tage in Berlin viel erlebt, das es zu erzaehlen gab. In Belgrad aber bedeutete dies alles nichts mehr. Wir waren gekommen, um zu vergessen und die Irrsinnigkeit dieser Stadt ganz in uns aufzusaugen. Wasser-stoff: die Feuchtigkeit der Luft traenkte unsere Kleider, sobald wir uns zehn Meter auf der Knez Mihailova bewegten. Wir beschlossen deshalb, Bewegungweitestgehend zu vermeiden. Nachdem wir meine Sachen ins Hostel gebracht hatten, assen wir in der Trattoria die beste Penne von ganz Serbien und trafen keine zwei Stunden nach meiner Ankunft Marina, mit der Marco am folgenden Tag einen Kurzfilm im Kalemegdan drehen wollte fuer das One-Take-Filmfestival in Zagreb. Ich sollte mit seinem iPhone Aufnahmeleiter sein. Marina hatte es durch die Teilnahme in einer bekannten serbischen Reality-Show zu einigem B-Promi-Ruhm gebracht, ihre Haarfarbe voraussehenderweise aber wieder zum natuerlichen schwarz-braun geaendert.