Andrea Roedig, einst Philosophin, nunmehr Publizistin in Wien (bis 2006 bei “Der Freitag”), schreibt im Kulturteil der Wochenzeitung vom 8. November über das Kreuz mit den “gender studies”. Wer vor diesem “Wissenschaftsbereich” schon immer ein diffuses Gefühl der Abneigung verspürt hat, bekommt von Frau Roedig hier in klaren Worten dargelegt, warum die Gender-Leute und ihre Tätigkeit einem spanisch vorkommen müssen.

Auf das zentrale Dogma der Geschlechterforschung kommt Dr. Roedig erst im letzten Abschnitt ihres Artikels zu sprechen: Diese Wissenschaft ist im Kern politisch motivert. Alle ins-Horn-Stosser, die die Prostitution der Universitäten am Beispiel von Drittmitteln, privatwirtschaftlich betriebenen Hochschulen (Jacobs University, Bremen) oder gleich vollständig von Investoren eingerichteten Lehrstühlen (Vodafone Stiftungslehrstuhl für Mobile Nachrichtensysteme) beklagen, müssen darin wohl eine “unbequeme Wahrheit” erkennen. Die besondere Terminologie und Verhaltensweise, welche Andrea Roedig bei Geschlechterforschern diagnostiziert (siehe unten), dient demzufolge nicht nur der wissenschaftlichen Vergewisserung, sondern soll auch in der politischen Arena Fakten schaffen, wodurch die Studien zur “self-fulfilling prophecy” werden. Sind die Schlagworte der Forscher erst einmal etabliert, lässt sich deren Präsenz und Einfluss nicht abstreiten. Und an der Forschung hängen schliesslich auch “human ressources”, genau genommen 132 Professuren am Fördergelder-Tropf.

Die Begrifflichkeiten: Laut Roedig hat die Geschlechterforschung ihre Leitmotive und Termini in einer für die wissenschaftliche Logik typischen Art und Weise generiert: Indem Abstrakta immer stärker substantiviert wurden und damit als Kondensate vorausgegangener Diskussionen erscheinen sowie als Konsens einer wissenschaftlichen Gemeinde. Der aus Wien stammende Valentin Groebner (der auch einen interessanten E-Mail Entsagungsversuch unternommen hat) definiert diese Abstrakta-Kaskade als “Begriffsdrachen”; aus dem verb “reden” wurde die “Rede”, es folgte der “Diskurs” und scheinbar einleuchtend die “Diskursformation”. Hier scheint schon die repressive, herkömmliche Kultur der Wissenschaft, des Lebens, der Politik durch, welche die Gender-Leute angetreten sind, zu brechen: die normalisierende Diskursformation maskulin dominierter Gremien!

Andrea Roedig fasst den Stand der Forschung dahingehend zusammen, als dass der Jargon der Geschlechter-Leute “auch eine inhaltliche Erschöpfung unter wildem begrifflichem Aktivismus zu verstecken” sucht.