Caspar Hirschi, seines Zeichens Forscher über Wissenschaftsgeschichte in Zürich, hat in der FAZ mehrere kritische Beiträge unter anderem über die Exzellenzinitiative publiziert. In der Ausgabe vom 1. August subsumiert er einige Fakten zur sogenannten “Wissensgesellschaft”. “Wissensgesellschaft” ist ein Spukwort der Wireless-Zeit, unter dem sich Leute mit Studienabschluß, die am Laptop arbeiten, zusammenpaaren. Hirschi notiert dazu folgendes:

Der Begriffsschöpfer Robert Lane (Politikwissenschaftler) meinte damit eine society, deren Vertreter die Vorstellungen von Mensch, Natur und Gesellschaft erschöpfend ergründet – und man will sagen: mit dem Bachelor abgeschlossen haben.

Der Begriffsetablierer Nico Stehr, Professor an der Zeppelin Universität in Friedrichshafen, postulierte schon 1994, dass die heutige Gesellschaft in allen Bereichen von wissenschaftlichem Wissen durchdrungen sei – hence: die Begriffsverwender einer gebildeten Elite angehören.

Hirschi folgert aus dieser Begriffsverengung, dass ein solcher Terminus eher die eigene Klasse beschreibt denn ein Sozialgefüge im Allgemeinen. Indem nämlich die Teilnehmer einer Wissensgesellschaft das wissenschaftliche Wissen zum goldenen Kalb machen, gleichzeitig Ökonomie und Politik auf eine Förderung und Durchsetzung desselben hinarbeiten, dann hat sich der “im akademischen Milieu akkulturierte und mit Bildungstiteln dekorierte Kopfarbeiter zum Idealmenschen unserer Zeit gekürt”. Der nun an der “zivilisatorischen Speerspitze” stehende, bildungselitäre Wissensherrscher hat damit gleichzeitig all jene Mitmenschen “auf politisch korrekte Art barbarisiert”, die noch nie eine Universität von innen gesehen haben und, nach einer dualen Berufsausbildung, womöglich an einem VW-Fließband lediglich den Exportstatus Deutschlands hochhalten.

Einen einfachen Test kann jeder Leser selbst durchführen: Wenn mit “Wissen” lediglich das Alltagswissen oder das Wissen um das Wachsen der Radieschen im Garten gemeint ist, ist dann

a) die Behauptung, unsere Gesellschaft sei “wissensbasiert”, aussagekräftiger als etwa, sie basiere auf geschlechtlicher Fortpflanzung?

b) dasselbe zutreffend wie oben angedeutet, denn die Aussäh- und Pflückanleitung für die Gentech-Radieschen kann nur einsehen, wer IT-Kenntnisse höchsten Grades besitzt?

c) alles ganz anders, aber ich muss das nochmal eben “nachchecken”?