Roland taucht aus der Versenkung des breiigen Einerlei-Musikgeschmacks auf wie ein exotisches Tier auf einer Lichtung voller schöner Gräser. Er spielt seine Geige wie ein Zigeuner am Feuer, wirft sein Hemd weg, stampft mit den Füßen, hängt dem Ganzen noch eine Strophe Poesie an, gleitet dann langsam in die assoziierenden Geräusche ab und ist eben auf dem Gipfel seiner Improvisationskunst, als er die Geige weglegt, die Gitarre aufnimmt, die kleinen Repeater-Geräte zurechtschiebt und loslegt. Die Turnschuhe hat er vorher schon ausgezogen.

Das erste Mal habe ich Roland in einer Kirche gesehen. Er singerzählte seine Geschichten. Sie waren traurig, es ging um verlorene Mädchen und um das Schicksal des Weitermüssens. Dann bin ich ihm in einem Keller begegnet, es war nachts, sein Geburtstag und er sah so aus, als wüsste er nicht, ob er sich darüber freuen sollte oder traurig sein. Einerseits bietet ihm das Altern und Erleben Stoff für seine Geschichten, und doch ist jedes Älterwerden auch ein goodbye-sagen zu den wilden Jahren. Das letzte Mal sah ich ihn in einem englischen Buchladen, der von zwei Typen aus Prag geleitet wird und eine Kopie von “Shakespeare and Company” in Paris ist. Roland musizierte zu einer Lesung, es war der vierte Juli und einige der konservativen ladies in der audience konnten sich bei seinen unanständigen Texten ein Lächeln nicht verkneifen. Dann gingen ihm die Batterien seiner repeater-Geräte aus, anstatt Klangteppich kam nur noch Rauschen, daraufhin steckte Roland zufrieden die Kabel um, kehrte seinem angekündigten Liederprogramm den Rücken und erging sich in seinen Improvisationen. In denen letztlich der wahre Charakter seiner Musik und seines Wesens durchkommt, stärker als in irgendeiner Playlist. Durch seine Improvisation gelangt etwas Starkes in ihn, eine  Eleganz, die Roland so oft wiederentdeckt und wieder verloren hat. Es gehört, das weiß man als Hörer, zu den Tönen, dem Ursprung der Musik, den nur die Ohren, in ihrer starken, blinden Art, zu lesen vermögen. Uneingeschränkte Empfehlung.

 

Roland Satterwhite: Monkey Overtime from form-art.tv workshop on Vimeo.

Rolands Webseite