Bei Wes Anderson verhält es sich wohl so: Ist der Trailer schlecht, dann ist der Film ein Genuss, und vice versa. Der Filmemacher, der gern seltsame Motive in aller Ausführlichkeit inszeniert, ist ein echter Handwerker mit Terry Gilliam-Anleihen: Lange Einstellugen mit liebevoll arrangierten Tieren, Ausstattungen und Schauspielern, die sich alle wie in Perfektion ergänzen. Vertikale Bühnensets, die an Dogville von Trier erinnern. Familienbeziehungen in allen Richtungen und Variationen, unterlegt mit guter Musik. Zu den Highlights seines Werks gehören “Steve Zissou” mit einem unschlagbar lakonischem Bill Murray sowie “Fantastic Mr. Fox”, ein Stop-Motion Animationsfilm mit den charismatischsten Füchsen des Kinos, gesprochen von George Clooney und Meryl Streep. Schon letztes Jahr kündigte sich in den Kinos ein weiterer farbenfroher, familienproblemschwerer und gut besetzter Film von Anderson an, der auch noch das Festival in Cannes eröffnen sollte! Der Trailer von “Moonrise Kingdom” war eine rasante Lehrfahrt in Sachen Jugendliebe und bot ein unverbrauchtes Neuengland-Terrain, das man in dieser Komposition (komischer Leuchtturmwärter – Bruce Willis als Inselcop – Boyscout-Einheit mit Edward Norton) noch nicht gesehen hatte. Der Film hätte ja super werden können.

Aber irgendwie war da etwas an dem Streifen, das nicht hinhaute. In einem Vorführsaal in Charlottenburg, an einem Dienstagabend, wollten wir uns zwar in die Welt der Boyscouts und einsamen Mädchen hinabfallen lassen, in die seltsame, teilweise tieftraurige Komik des Anderson, allein es gelang uns nicht so recht. Und das muss nicht daran gelegen haben, dass eine Liebesflucht zwischen 12jährigen ein ungewohntes Kinoelement ist. Die verschiedenen Gruppen der Geschichte, angeführt von einer Darstellerriege, die die Presse gern “hochkarätig” nennt, trafen zwar immer wieder zusammen, aber es entwickelte sich nichts zwischen ihnen. Die Verfolgung eines ebenso liebes- wie weltkranken Paares durch die Wälder und Felder einer putzigen Insel endet schliesslich im dramatischen Gewitter-Regen-Arrangement auf der Spitze eines Kirchturms, wohl in der Einsicht, dass da optisch schon was geboten werden muss bei einem Plot, der vergleichsweise mau herüberkommt. Bill Murray ist ungewohnt kraftlos, seine deutsche Synchronstimme ist nicht die gewohnte. Das Jugendamt, in Person von Tilda Swinton, spielt eine blasse Nebenrolle, deren Einsatz gar nicht Recht Sinn ergeben will. Harvey Keitel wird als oberböser Anführer eines noch strafferen Pfadfinder-Lagers für die Großen ins Rennen gebracht als der Film das erste Mal anfängt, etwas durchzuhängen, und ist nach einer kurzen Flutszene schon wieder vergessen. Dito Jason Schwartzman. Das Ende ist glücklich, das ist okay, aber es machte sich keine Erleichterung bei uns breit, weil wir dem jugendlichen Unterfangen von Anfang an nicht richtig getraut haben und uns die Kontrahenten zu keinem Zeitpunkt als ebebürtig erschienen waren. Der seltsame auktoriale Erzähler in Zissou-Rot unterbrach die Geschichte zu oft. Die einzig ungeklärte Frage blieb: “Wo ist mein Plattenspieler??”