Es waren die ersten warmen Sommertage und die Frage, was zu unternehmen sei, wurde für einmal nicht gestellt. Es ist Biennale in Berlin, die siebte mittlerweile und ein nicht unbedeutender Teil der Kunstbevölkerung ist ganz aus dem Häuschen ob dieses Kunstfestivals. Wir beschlossen, uns erstmal das Eröffnungsdinner anzusehen, denn da lernt man Leute kennen und kann sich im Suhl aus Kunstschaffenden, -präsentierenden und vorgeblich -interessierten ein bisschen umsehen. Natürlich war das Dinner in Kreuzberg, in der Einöde zwischen Halleschem Tor, Spree und Görli, just in der Gegend also, wo der Regierende Bürgermeister Wowereit zuletzt ein Entgegenkommen der Autonomen Szene (?) vergeblich herbeigesehnt hatte, als es um das Guggenheim-Lab ging. Die Markthallen sind indes eine weitaus etabliertere Abbildung der Gentrifizierung. Aufgetischt wurde, da sind die Organisatoren ganz bei den links-grünen Hardlinern, die diesen Kiez bewohnen, vegetarisches Einerlei. Es gab genügend Sekt und Rotwein, aber nur zwei Gänge. Die langen Bankettbänke versprachen mehr, als die Besucherschaft zu halten vermochte, die Ansprachen der Biennale-Leute (darunter ein besonders lustloses Statement von Chefkurator Artur Żmijewski) waren verhuscht, die russischen Kunstberserker Voina waren in Gedanken bei den Eingeladenen; so also fängt ein Kunstfestival an!

Wir plauderten über H.P. Lovecraft. Joanna Warsza schwirrt vorbei, die Kuratorin. Es ging um das neue Freiheits- und Einheitsdenkmal in Leipzig, von dem ich zuletzt gehört hatte, dass der Platz, auf dem es errichtet werden soll, Namensänderungen durchlaufen hatte. Dann sassen wir, planten Aktionen, schrieben eifrig auf der Rückseite des Menüblattes mit. Neben uns die zwei Praktikantinnen aus der Galerie. Wowi war einen Tisch weiter, Kultur-Staatssekräter Schmitz war wichtiger für uns und sass praktischerweise in Greifnähe.

Ziemlich schnell verdünnisierte sich die Menge. Draussen scherzende Polizisten, erlebt man auch nicht eben häufig. Eine kleine Pflichtübung für die Jungs, die ganzen Politiker beim Dinieren zu begleiten. Wir setzten uns auf die Räder und fuhren noch halbhungrig zurück nach Hause.