Es ist beachtlich, wie ein Gedicht um die Welt gehen kann. Der schirrmachernde Leitartikel auf FAZ-online ist besonders stolz, Teil einer globalen Gedichtinterpretationsübung zu sein, und ruft dazu erstmal ein weiteres urdeutsches Instrument (IKEA) auf, um den Grass’schen Zeilen beizukommen (und möglichst besser als die Konkurrenz in Übersee, die – halt! doch das Gedicht gar nicht gedruckt hat). Frank Schirrmacher, Internetversteher und immer zur Stelle, wenn etwas gesagt werden muss oder noch gesagt werden darf, kombiniert:

1) Ein Gedicht ist ein Gedicht, weil es niemals sagt, was Sache ist.

2) Ein Leitartikel ist ein Artikel, der immer sagt, was Sache ist.

3) Schraubt ein Autor Gedicht und Leitartikel zusammen, muss der Leser folgerichtig herausfinden, ob er richtig oder falsch findet, was der Dichter verheimlicht.

Frank Schirrmacher kommt zum Schluss, dass Grass möglicherweise nur mit seiner Biographie Frieden schliessen wollte. Angesichts dieser Ödnis ist es interessanter, wie andere Medien mit diesem Gedicht umgehen. PPQ druckte unter “Grass drüber!” sogleich einen frühen Entwurf des Dichters. Davon einen Auszug:

In Planspielen geübt
an deren Ende und Schluß 
wir überleben nur trüb
als Noten zu Fuß.

Behauptet das Recht 
auf den ersten Schlag
des Maulhelds Gemächt
erwartet den Tag

Unterjocht ist das Volk
und zum Jubeln bereit
die Bombe Erfolg
Atom schlägt die Zeit

Auch Titanic war gewohnt rasch zur Stelle, wenn es darum geht, die Grass’sche Motion in weitere Gefilde des “was aber auch noch gesagt werden muss” zu extrapolieren:

Warum untersagte ich mir immer wieder
Jenen großen, mißverstandenen Mann zu ehren
Ohne den wir immer nur in Bus und Bahn unterwegs wären
Statt unsere Motorgefährte auch mal schön auszufahren mit
Tempo Zweihundertvierzig und Wind in unserem Haar
Beziehungsweise Schnurrbart.