Die Deutsche Bank zieht ihre Guggenheim-Dependance Unter den Linden ab, und BMW will kein temporäres Guggenheim-Lab am Spree-Ufer errichten. Die deutsche Hauptstadt hat 2012 viele schlechte Guggenheim-Nachrichten zu verkraften. Wenn im ersten Fall die Gründe für die Schliessung der Galerie in einer Neuausrichtung der Öffentlichkeitsarbeit  liegen, so ist im zweiten Fall der pure Widerstand gegen alles einigermassen Geregelte und Ordentliche verantwortlich dafür, dass Geld- und Namensgeber sich wenige Minuten vor Baubeginn aus Kreuzberg zurückziehen. Sie hätten es besser wissen müssen. Nicht erst seit Bar25 und Mediaspree ist der Spreeabschnitt östlich von Michaelbrücke bis hinab zum ehemaligen Spreepark ein umkämpftes Gebiet, wo insbesondere die Uferzonen gesetzlosen Freibestimmungsgebieten gleichen. Piratengleich wirtschaften auf dem Areal die Veranstalter von Vergnügungsangeboten. Da haben es traditionelle Firmen und Investoren, die echte Gebäude errichten wollen, natürlich schwer. Die prägnanten Zentralen von BASF, Allianz und Universal müssen Urheberrechtsaufweichern und Freunden der drogengestützten Selbstbestimmung ein Dorn im Auge sein.

Zwar hat das BMW-Guggenheim Lab Projekt es sich treffsicher zum Thema gemacht, die Konfliktherde von Zusammenleben, Besitzstand und Gentrifizierung in solchen Gebieten wie der Spreeperipherie zu untersuchen. Es gibt dort ja auch genügend Studierfläche. Aufmerksame Besucher wissen die Gegend als ein Ort der Gegensätze zu schätzen. Ein abendlicher Rundgang auf der Halbinsel Stralau, an der Rummelsburger Bucht entlang und weiter zu den Industriearealen an der Köpenicker Chaussee, wo sich in alten Ölsilos Feierstätten für eine Nacht einrichten, lässt das Nebeneinander von Penthouse und Techhouse schon erahnen. Wie weit der Ausbau West rund um den Kotti schon fortgeschritten ist, hat mich neulich selbst erstaunt, als ich in Oranien- und Dresdener Straße edle Austern- und (echte, nicht Happy Hour) Cocktailbars entdeckt habe. Diese Absteigen bieten den Touristen das komfortable Gehenlassen mit den Fresko-Resten eines alten, vergangenen Graffiti-Kreuzberg-36. Die Resttruppen, die auf den Brachflächen am Ufer ihre Grillabende nicht von einem newyorkesken Lab, noch dazu eines vom Föderalfeind BMW, gestört sehen wollen, protestierten denn auch ordentlich gegen eine solche Einrichtung, dass es selbst Wowereit peinlich sein musste. Die Freunde im Geiste seiner SPD, die Kreuzberger Piraten (Wahl 2011: 15%) und Grünen (30%), sind nicht von der gemässigten Sorte, sondern machen Leuten von Aussen unmissverständlich klar, dass ihre Vorhaben mindestens mit einem 24h-Wachschutz ausgestattet sein sollten. Die Auswirkungen eines 1. Mai auf eine vermeintliche Gentrifizierungsmassnahme wie das GugLab will man sich tatsächlich nicht ausmalen.