Die Figur, die Ryan Gosling im Film “Drive” spielt, ist die Ruhe in Person. Auch nachdem er seine Gegner zermanscht, mit dem Hammer traktiert, abgeknallt und ertränkt hat, zittert seine Hand kein bisschen am Lenkrad. Der Fluchthelfer bleibt auch im Scheinwerferkegel und unter dem Getöse des Suchhubschraubers, inmittem des Funkfeuers auf dem Polizeikanal kühl. Gosling stellt einen Mann dar, wie ihn sich Gehweggangster seit Generationen herbeisehnen.

Auch beim zweiten Durchsehen gefällt die traumartige Inszenierung von “Drive”, die schwebende Musik, die rohe Gewalt, die knalligen Farben. Es ist ein Spektakel, Gosling beim Nicht-Blinzeln zuzusehen, beim Zahnstochern, beim Fahren. Der Film ist wie eine Dressur-Lektion auf dem Pferd: Klassische Übungen werden bis zur obersten Eleganz gesteigert vorgeführt. Storymässig ist der Film eher mau. Aber das macht nichts, auf die ein oder andere Art hat man jedes Gangster-Drama schon durchdekliniert gesehen.”Drive” überzeugt mit guten Bildern und starken Schauspielern. Es ist nicht zu spät, den Film jetzt noch anzusehen. Einige Kinos haben ihn in einem Anflug später Begeisterung ohnehin erst jetzt in ihr Programm aufgenommen. Uneingeschränkte Empfehlung.