Windiges Vororts-Potsdam. Als ich zurück an der Friedrichstraße stehe, ist der Brandenburg-Trip wie ein abschliessender, bestätigender und doch unwirklicher Ausflug in die akademische Zukunft. Die S-Bahn-Fahrt ist ein endloses Gegurke, im Regio geht es schneller, die Stimmen sind ICE-artig gedämpft, die Zusteigenden ziehen sich reflexartig den Mantel aus und legen ihre Taschen in die Ablagen über den Sitzen. Das Institut steht auf der weiten Wiese im letzten Sonnenlicht des Tages, alle Sekretärinnen sind bereits gegangen um kurz vor fünf, als eine letzte Schar versprengter Prüflinge in der Eingangsschleuse wartet und klingelt.

Spätnachmittags-besonntes Strasbourg. Die modernen Trams rauschen durch die ruhigen, fremdartigen Straßenzüge, das gotische Münster mit seinem riesigen Turm lässt die öden, faden, unfranzösischen Steppen ausserhalb der Stadt vergessen. Industrie. Flüssiger Verkehr. Rehe.

Dämmriges Puppenhaus-Weimar. Auf dem Kopfsteinpflaster der Innenstadt tummeln sich die Bewohner, die an diesen unangenehm dunklen Tagen in ihrem Dorf unter sich sind. Im Park an der Ilm, zwischen Schloss und Belvedere, sind vereinzelt noch Fussgänger unterwegs. Goethes Gartenhaus steht unbesucht, grau in den wohl einst blühenden Weinhängen. Aus der Stadt heraus fahren wir wehmütig. Buchenwalds Mahnmal droht vom nahen Hang des Ettersberges. Die Autobahnen vor uns werden von der zunehmenden Nacht verschluckt. Berlin existiert nicht mehr, auch Leipzig versinkt schon im Dunkel.