Was, bitte, faselt Linksaussen-, neuerdings wieder Kulturkritiker, Autor und Tierversteher Dietmar Dath?? Wenn man es höflich ausdrückt (und Welt Online ist immer so verdammt oberhöflich), dann “erforscht Dietmar Dath die Möglichkeiten des Sprechens”. Na gut. Früher ging das auch alles glatt. Wir erinnern uns: In seiner samstäglichen “Sputnik” Kolumne in der, ja wo sonst: FAZ knisterte er mit schwulen Elfen im Laub der Literaturwälder um die Wette. Das las sich dann so:

Die Lage ist Herbst. Die Erdmaus liest Lyrik, der Rothirsch tritt in die Linkspartei ein, die Spinne fegt ihre Website durch, der Dachs stopft seine Höhle mit weichen Feuilletons aus, und die Weinbergschnecke streikt, weil Leute achtlos auf sie treten. Wegen einer Störung im Betriebsablauf wird sich der Winterschlaf des Eichhörnchens noch um wenige Atemzüge verzögern, wir bitten um Verständnis sowie Nüsse.

Überhaupt hat er ein Faible für das Über-Organische des Waldes, das er gern in die (ja ebenfalls aus Cellulose gemachte!) papiergetragene Literatur transportiert:

Der Winter naht. Die Bäume gruseln sich. Die Blätter fallen übereinander her. Ein Wind kommt auf. Mein Text nickt ein. (beides 17.11.2007)

Lässt er den Blick aber schweifen, kommt Dath unweigerlich darauf, dass sich die Natur doch im Griff des Menschen befindet. Und das liest sich dann so:

Die Tiere im Frankfurter Zoo wurden nicht in Grönland, Tirol, Minkkinen und Patomäki zusammengerafft, sondern sind banale einheimische Hunde in ganz verschiedenen Grössen, die man bemalt, kostümiert sowie mit Prothesen und Rückenflossen verunstaltet hat, um Rentnerinnen, Kinder, arbeitslose Nazis und Japaner abzuzocken. (17.05.2008)

Ist das die Arbeitshypothese für sein ebenfalls 2008 vorgelegtes Buch “Die Abschaffung der Arten”? Man weiss es nicht, ich am allerwenigsten. Mit der Abschaffung des Kinos zumindest hat Dietmar Dath schon viel früher, vor seinen tierischen Beweisströmen, begonnen. Zumindest mit der sprachlichen Abschaffung des Kinos, nämlich: Plappern, was das Zeug hält, dass man blind und taub wird und gar nicht mehr ins Kino gehen kann. Ganzseitig (und die Seiten der FAZ sind gross!) zerkrümelt er am 10. Mai 2003 “Matrix”, bevor dessen Wiedergänger auf die Leinwand rollten. Er stellt die richtigen Fragen, z.B.

gelangt aber zu den falschen Antworten:

Und während alle anderen, denen noch nicht Hören und Sehen vergangen ist, weiterhin im Sessel mümmeln und die Bilder geniessen, zetert Dath weiter: “Diese Form der gestellten Welt, die bei Strafe des Wirkungsverlusts so tun musste, als wäre sie unmittelbar erlebbar, ist für die Jugendlichen, die mit dem Handy im dunklen Kino einfangen, was auf der Leinwand passiert, aus dem Sekundären ins Primäre gerutscht – für Youtube zu bearbeiten.” (am 01.09.2011), “Kommt ein Drehbuch zum Arzt:” (am 05.09.2011), “Zurr den Trenchcoatgürtel fester, böser Held, und halt deine Pistole gerade!” (am 19.10.2011) und, schliesslich, das opus magnum, darf Dath Tom Cruise auf die Finger klopfen, die sich, der Bildredaktion sei es gedankt, gerade in die Saugnapfschlingen auf lotusblütenblattsauberen Fassadenglasscheiben krallen. Mit Cruise scheint Dath noch die eine oder andere verbale Rechnung offen zu haben. Sein Text ist nur entfernt als Kritik erkennbar (ist das die Folge von internetgeschädigten Journalisten mit verkürzter Aufmerksamkeitsspanne? Bei Michael Althen war das Rezensionstempo ruhiger). Über die sprachlichen Finessen möchte man lachen, allein man hat vergessen wie: “Auf dem neuesten Sand der Technik” (denn Cruise erklettert Wolkenkratzer in Dubai). Das Fazit verbirgt sich ausgerechnet in der Mitte des Textes, dort also, wo allen Referenten geraten wird, eher leichte Kost zu platzieren, weil der Zuhörer oder Leser sich nur Anfang und Ende merkt: “Der Gesamteindruck indes ist das Gegenteil von “billig”, nämlich der eines technisch perfekt präsentierten Sieges von Teamgeist, Frechdachsentum und Sturheit über Raum, Zeit und Gerümpel.”

Das sind sie, die drei Dimensionen des Dietmar Dath.