«Wer sein Erleben eintauscht gegen das Anfertigen einer Erzählung, verpasst sie. Erleben ist mehr als nur dabeisein, es erfordert ein Bewusstsein. Man muss sich entscheiden, für eine eigene Erinnerung oder eine fremde Erzählung.», sagte der Mann. Mit einer fahrigen Bewegung wischte er die Brotkrümel vom Tisch, ordnete seine Serviette und schenkte sich Wein nach. Dann sah er mich an.

In seinem Blick fand ich die lange Reise wieder, die ich getätigt hatte, um hierherzukommen, all die vorbeiziehenden, hellerleuchteten Bürofenster, das Dunkel der U-Bahn-Tunnel, all die müden Gesichter meiner Mitreisenden und die Kleinbildschirme, die sich in ihren Brillen wiederspiegelten und all die Schienenkilometer. Dann trank ich von dem Wein, der vor mir stand. Sah zurück in sein Gesicht. Ich hatte mein Leben schon vor langer Zeit zu einer Erzählung gemacht. Allerdings zu meiner eigenen, sie war nicht fremd. Ich erlebte nur noch lustlos, um später aufschreiben zu können, wie ein Forscher, der die Versuchstiere durch ihr Setup führt, gelangweilt, nur um später die Biopsie durchführen zu können, um das von ihnen “Erlebte” auszuwerten. Ich schaute aus dem Fenster. Ein Zug fuhr vorüber. Eine Frau kreischte irgendwo weiter vorne, weiter die Straße herunter.