Der Pygmalion-Mythos handelt davon, dass die Trugbilder aus der Hand eines Künstlers einen Rückzug darstellen vor den allzu aufdringlichen Originalen. So empfand es Pygmalion in der Erzählung von Ovid, der, von der Zügellosigkeit der Frauen abgeschreckt, daheim in seinem Atelier eine stumme und unbewegliche ideale Geliebte erschaffte. Insgeheim wünschte sich Pygmalion natürlich, dass er ein lebendiges Exemplar mit denselben Qualitäten finden könnte. Venus erhörte seinen Wunsch und hauchte der Elfenbeinstatue Leben ein. Diese Geschichte, die sich in unzähligen Variationen über die Jahrhunderte niedergeschlagen hat, erinnert mich entfernt an eine andere Legende, derzufolge ein Erfinder einen künstlischen Menschen erschaffen wollte. Jean-Léon Gérôme hat sich der Schlüsselszene dieses Mythos gewidmet:

Pygmalion und Galatea

Zum “Pygmalion-Effekt” ist dieses Jahr auch ein Buch (Victor I. Stoichita: Der Pygmalion-Effekt. Trugbilder von Ovid bis Hitchcock) erschienen. Daraus ein weiteres schönes Bild von Jean-Léon Gérôme:

Marmorarbeit oder Selbstbildnis mit Tanagra-Skulptur