Für das Ermüdende an der nun schon seit drei Jahren rastlos fortschreitenden Krise, die unsere wirtschaftlichen und kulturellen Grundlagen unterminiert, fand Peer Steinbrück am 29.09.2011 im Bundestag ein etwas ältliches, aber passendes Bild: Die Bundesregierung liefere “scheibchenweise Fortsetzungskapitel”, wo eine große Erzählung, ein historisches Sachbuch erwartet werde. Damit erinnerte er an Verlagspraktiken der frühen dreißiger Jahre, als Abenteuerromane in dünnen Heften erschienen und die Leser Woche für Woche etwas vom Lohn zurücklegten, um zu erfahren, wie es mit den Helden weitergeht.

Entsprechend sensationell waren natürlich die Zwangslagen, in denen sich der Held zum Abschluss jedes Heftchens befand – eingeschlossen in einem brennenden Tresor unter Wasser, solche Sachen. Dann wurde er durch irgendeine phantastische Wendung gerettet. Und die Dosis musste natürlich gesteigert werden, das Publikum stumpfte allmählich ab, weil es den Trick durchschaute. Im Falle des “Meisterdiebs Arsène Lupin”, eines Fortsetzungshelden von europäischem Ruhm, kamen die Autoren irgendwann an ihre Grenzen: Als sie ihn am Ende eines Kapitels in besonders rettungsresistenter Drangsal verließen, kam es in der folgenden Woche zu der Bankrottformel: “Niemand wird je erfahren, wie es unserem Helden gelang, aus solcher Gefahr zu entkommen.”

aus: “Fortsetzung folgt…” von Nils Minkmar in der FAZ vom 30.09.2011