Wir rollen die Kastanienallee entlang, es ist dunkel. K21 ist lange vergessen, inzwischen rollen die Bagger wieder und ein Torwächter öffnet und schliesst tagsüber die Absperrungen auf der Straße. Gerade noch taumelten wir aus der Kneipe. Davor beschriftete ich, mit einem Edding und kleinen Fetzen von Büttenpapier ausgestattet, die Zapfhähne des Weinspenders, links weiss, rot rechts, der Rosé mittig. Ich streifte mir die Ärmel des Jacketts zurück, wühlte in meiner Tasche nach dem Kugelschreiber, nickte den Männern am Stehtisch zu, die fleissig assen und sich bedeutungsschwere Brocken von Forschungssprech zuspielten. Davor im Hörsaal. Gegen Ende seiner dreiminütigen Redezeit neigte sich der Vortragende leicht nach vorne, als er sah, wie der Moderator in der zweiten Reihe langsam aufstand, um das Kurzreferat zu einem Ende zu bringen. Es ist die typische Körperhaltung eines in die Enge getriebenen Antragstellers. Die Zeit war gegen ihn. Die Gesichter der Zuhörer liessen nicht erkennen, ob seine Präsentation wirklich bahnbrechend war, ob sich Kooperationspartner finden würden, überhaupt sollte es bei diesem Symposium nicht um Zu- oder Nichtzuerkennung von Forschungsgeldern gehen, sondern um ein blosses Vorstellen abseits von Komiteeentscheiden. Die Körperhaltung aber war ein antrainierter Reflex. Die Uhr piepte. Gaddafis Körper sackte zerspellt zwischen die weissen Kissen in einer libyschen Wohnung. Westerwelle schwieg dazu. Schäuble und Rösler verkündeten irgendeinen belanglosen Kompromiss, es war wie Sommerloch, in dem die Ministerien besetzt blieben. Müde schliesse ich den Wirtschaftsteil. Was sollen all diese Nachrichten, denke ich. Trinke den Kaffee aus, der vor mir steht. Kehre zurück in Trojanows Welten in “Der entfesselte Globus”, oder in meine eigenen Sehnsuchtsschrift-Aufstellereien. Davor: Ich trank den Wein aus, der vor mir stand. Blätterte mein exposé ein letztes Mal durch. Soviele Buchstaben, und soviele Ziffern.

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