In der Frankfurter, die man gelegentlich für eine Berliner Allgemeine Zeitung halten kann, ist eine gute Replik auf die jüngsten Koalitionstänze von Rot-Grün erschienen. Hier haben sich die Parteien, so schien es, im Wahlkampf derart aneinander angelehnt, dass ein Zusammenkommen unausweichlich schien. Im Fernsehduell, zehn Tage vor der Wahl, gab Künast freimütig zu Protokoll, ihre Partei könne nicht mit der CDU ins Boot hüpfen. Wenn die Medien nach dem Abbruch der Koalitionsverhandlungen am 5.10. berichten, die Grünen wären nicht eingeknickt (nämlich bei der A100-Frage), dann ist das falsch, denn die Grünen sind mit diesem Anti-CDU-Statement von Künast schon ganz früh eingeknickt. Ihre Absage an die Christdemokraten unter Frank Henkel war gleichzeitig eine Zusage an die Adresse der SPD mit dem Absender “Juniorpartner”. Wowi aber liess die A100-Gegner vor der Wahl zappeln. Nach der Wahl, als schon alle die Traumhochzeit aus SPD und Grünen (warum eigentlich? Weil es ein faux Berliner Lebensgefühl vermittelt, besser als Rot-Rot, das stets etwas nach alt-SED-Mief roch?) feierten und dazu auch noch über die Zugewinne der Piraten jubeln mussten, bat der mutmasslich dreifache Bürgermeister Klaus “I’m hard’ Wowereit die ehemaligen Herausforderer (nun: partner in crime) in seine Burg – und liess sie abblitzen.

Dabei hätten es die “Ökos” wissen müssen. Schon 2006 kokettierte Wowi und schickte die Grünen dann doch in die Opposition, den Linken gab er damit deutlich zu verstehen, dass sie nur zweite Wahl sind. Bei der anschliessenden Regierungsbildung benötigte Wowereit zwei Wahlgänge, bis er Regierender Bürgermeister war. “Kein guter Start”, frotzelte die Linkspartei, von der einige Mitglieder wohl trotzigerweise “Nein” votiert hatten. Wowi dagegen: “Ich habe keine Heide-Simonis-Albträume. Ich schlafe ganz ruhig”, meinte er in Anspielung auf die schleswig-holsteinische Genossin, die nach mehrfachem Scheitern in der Wahl um das Amt des Ministerpräsidenten entkräftet zurückgetreten war.

“Die Fähigkeit Klaus Wowereits, fast jeden, der sich mit ihm auseinander- oder zusammensetzt, früher oder später alt aussehen zu lassen, ist bemerkenswert.”, schreibt dann auch Marcus Jauer in der FAZ. Bleibt zu hoffen, dass Klaus mit dem gemütlich aussehenden Herdenvater Henkel nun einen stabilen Gegner in seine Reihen aufnimmt, der die Roten, deren Sitzfleisch vor lauter Regieren langsam wehtun müsste, mal etwas über den Platz jagt.