Wir schritten die stählerne Gangway hinüber ins Parkhaus, das inmitten von Grün und abgegrenzt von den Bahn- und Autostraßen dalag wie ein Hochseedampfer an einem wenig genutzten Quai. Jonathan hantierte hinter mir im Gehen mit den Schnüren und Kordeln seines Rucksacks, während ich mit Ivo Schritt hielt, der seine Schirmmütze lustig in den Nacken geschoben hatte, die Mercedes-Benz-Tüte schwenkte und vor sich hin summte. Als wir ins Dunkel des Betonregals traten, nahmen wir die Sonnenbrillen ab. Jonathan hielt an und wischte sich mit dem Hemdärmel über sein Gesicht. Es war schwül geworden gegen Mittag. Nun, um vier Uhr, flirrte die Luft draußen vor den Sehschlitzen des Betonbaus, in dem Seite an Seite die neuesten Wagen geparkt waren, wie wir nun erkennen konnten, da sich unsere Augen an die Dunkelheit gewöhnt hatten.

Die Fahrzeuge kauerten in ihren Reihen wie panzerbewehrte Insekten, die auf das Manöver warteten, in dem sie eingesetzt werden würden. Wir bogen um einen Ausläufer ihrer Formation, Ivo beschleunigte seinen Schritt. “Wie steht es eigentlich mit den Aktien?”, wollte ich wissen. Mein Blick wanderte zu einem der Sehschlitze in der Betonhülle des Parkhauses, der nun weit weg war und durch den ich nicht Hochhäuser, Bäume oder Reklameschirme sehen konnte, sondern schlichtweg nichts, bloss weißes Grellsein. Ivo zuckte mit den Schultern und öffnete den Kofferraum. Darin lagen, sorgsam nebeneinander platziert, zwei teuer aussehende Hartschalenkoffer. Ich stellte meine orange Ledertasche in den freien Raum, nahm Handy und Geldbörse heraus und half Jonathan, seinen Reiserucksack zu verstauen.

In den Millisekunden, während derer ich das Coupé vom Kofferraum bis zur Motorhaube betrachtete, wurde mir seine Größe bewusst. Der Zweitürer wirkte von außen wie eine gewöhnliche Limousine. Langsam näherte ich mich der Tür, öffnete sie und ließ mich auf den Beifahrersitz sinken. Der Innenraum war gewaltig. Ein Gurtbringer schwebte über meine linke Schulter. Nachdem Jonathan auf der Rückbank Platz genommen hatte, setzte sich Ivo neben mich und startete den Motor. “Wie fahren wir?”, wollte er wissen und deutete eine Bewegung zum Handschuhfach an, in dem ich nach kurzem Suchen einen kleinen Navigationsschirm von Becker fand. “A9?”, fragte ich, während ich den Schirm an der Windschutzscheibe befestigte und das Kabel in den Zigarettenanzünder steckte. “Fein, das ist eine gute Strecke für den Sonnenuntergang”, erwiderte er, als er das Auto in bedächtigen Kurven den Zubringerturm des Parkhauses herunterfuhr. An der Schranke hielt er seinen Mitarbeiterausweis an die Konsole. “Auf dem Weg müssen wir allerdings noch jemanden einsammeln”, sagte er und blickte mit einem vielversprechenden Augenzwinkern zu mir herüber. Dann bog er auf die Uferstraße ein, überquerte den Landwehrkanal und wir fuhren in der blendenden Abendsonne gen Westend.