Es regnete immer noch. Rennradfahrer und Sommer-Anhänger waren gut beraten, wenn sie den Mittwoch für Aktivitäten im Freien nutzten, denn ab Donnerstagnacht sollte dieser Raum feucht werden. In dieser Donnerstagnacht sassen wir an unseren Lieblingsorten, es war noch ganz warm draussen. Es war ganz unbeschwert. In der Nacht davor fuhren wir auf dem Rad angetrunken durch die Straßen von Dahlem, die unvermutet ihre Richtung und ihre Größe änderten und ebenso unvermutet vom U-Bahn-Netz getrennt worden waren, denn die U3 fuhr nachts nicht und hielt auch tagsüber nur widerwillig an den akademischen Stationen, weswegen wir das Rad überhaupt erst mitgenommen hatten. Dienstagnacht schreckten wir die flanierenden Besucher des Bode-Museums auf, als wir über dessen Vorplatz knatterten, und liessen uns im Kino der Hackeschen Höfe erneut von der Traurigkeit von Beginners einlullen. Der Film läuft jetzt schon seit zwei Monaten in Mitte und nun auch im grösseren Saal. Freitagnacht bewegten wir uns vertikal durch den vollständig kartographierten Prenzlauer Berg, hangelten uns entlang an den Tramschienen wie elektrische und regenempfindliche Tiere, die nur über Oberleitung atmen können. Das Wasser goss von den Haltestellenhäuschen herab wie ein Vorhang und bildete Seen auf den unebenen Straßen. Es lief in die Tanzräume der Kellerclubs, lief die Gehwege entlang, an den Fassaden herunter, kurz es war überall und die Menschen völlig getränkt davon. Tagsüber war uns der Regen gar nicht aufgefallen. Nachts aber verbündete er sich mit der ihn tragenden Schwärze. Samstagnacht flüchteten wir direkt in eines der Wohnzimmer in der Umgebung, verhielten uns still dort drinnen, gemeinsam mit den anderen Besuchern, und tranken das schwarzgewordene Wasser in Form von Diesel, als ob wir so Freundschaft schliessen könnten mit dem aquatischen Ungeheuer draussen vor der Tür. Sonntagnacht schließlich verstummte der Regen. Das dunkle Wasser lag brav in den ihm zugewiesenen Pfützen. Es liess sich anstandslos begutachten.

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