Das Gespenst Scientology geht wieder um: Die FAZ widmet diesem überseeischen (und konstruierten hanseatischen) Dämon gleich zwei major Artikel auf ihren kuscheligen Feuilleton-Seiten. Beide sind gähnend langweilig und muten an wie Schauergeschichten aus der Feder von jemandem, der in Folge von fehlender Fantasie sich das Gefährliche eben aus Versatzstücken des Erlebten zusammenreimen muss. Ganz die Romantik, wiedermal, aber dazu später mehr. Zumindest der eine Text ist wenigstens sprachlich reizend, er stammt von dem Autor Wolfgang Hegewald, der erkennbar auch Hauptdarsteller seiner anonymisierten Erzählung mit Gerichtsplugin ist. Mit der Wendung, alle beteiligten Personen zu verfremden (und nicht bloss die Übeltäter), rettet er sein seitenfüllendes Format vor dem Fall in die Kategorie “Schmährede”. Seine Sprachlichkeit ist super, hier etwa:

“Was, so mutmaßte F. beispielsweise, mochte an einem Wahlsonntag wie diesem schönen 27. September im Gedankenhaushalt eines Thetanen vorgehen? Köchelten da Träume von der Macht auf kleiner Flamme?”

Uneingeschränkte Leseempfehlung also, und Auszeichnung für besonders gelungene Maschinensprache.

Der zweite Text ist von der strengblickenden Verena Lueken. Ihren bei der Kritik von Filmen sonst recht erfahrenen Blick hat sie für die Reportage “In der Kirche des Ich”, die sich um Scientology in Los Angeles dreht, ausgeschaltet. Das Ganze wirkt etwas sommerlochig. Die Katharsis ist vorhanden, der Aufstieg aus dem platonischen Kellerloch ist vorhanden, das haunted towncastle im Polanski-Stil ist dabei, auch Tom Cruise hat einen Gastauftritt. Und doch kann dieses griechisch-polnisch-kalifornische mash-up-Drama einfach nicht fesseln, trotz des offenen Endes, das da lautet: Jenni hat nicht zurückgeschrieben.

Ein echter Thetan? (Kilian Eng / via butdoesitfloat)