“Poesie der Zeichensetzung” – oder auch: die bedeutungsvolle Schönheit unserer kleinsten Sprachteilnehmer. Eine wöchentliche Veranstaltung des Instituts für deutsche Literatur, die ich mir auf keinen Fall entgehen lassen konnte. Eine Verlängerung meines ausklingenden freien Studienjahres. Und tatsächlich sollte sich der Besuch in der Dorotheenstraße 24 an jedem Dienstagabend lohnen: Die Granden der Berliner Hochschullandschaft traten dort zu einem vertaulichen Schwatz über ein Forschungsgebiet an, von dem die wenigsten wissen, dass es überhaupt exisitiert. “Asterisken und Oberbeistrichlein”, “Anstandsstriche bei Heinrich Heine”, “Zeichensetzung bei Kleist” – es scheint, dass jeder der wöchentlich wechselnden Dozenten in diese Veranstaltung sein Interpunktionsproblemchen mitnahm, seine exotische Orchideenfrage, um sie genüsslich (und sich ihrer Entbehrlichkeit bewusst) dem Publikum zu präsentieren. Die Striche und Punkte sind Literaten und Wissenschaftlern gleichermassen die Noten des Geschriebenen oder auch Falten auf der Stirn des Textes. Es ist interessant, über ihre Herkunft und den Wandel bei ihrem Gebrauch zu hören. Besonders die Dozenten sind den Besuch wert, vielleicht mit Ausnahme von Joseph Vogl, dessen Buch “Das Gespenst des Kapitals” in den Feuilletons vom letzten Jahr zwar hymnisch gefeiert wurde, der aber erstens mit dem Thema und zweitens mit seiner schmierigen Art nur wenig überzeugend auftrat. Grosses Kino boten die Professores Polaschegg, Osterkamp und Rickes, die sich in ihrer Satzzeichenwanne sichtlich zuhause fühlten. Die Ringvorlesung läuft noch bis zum 12.7.2011.

Veranstaltung beim Institut für Deutsche Literatur

Naturwissenschaft ohne Worte