Wir gingen die Pappelallee hinab, ich wies mal hier- und mal dorthin, wir stolperten ins Dunkel eines Hinterhofs, der in eine Baugrube verwandelt worden war und dessen Häuserfassaden saniert wurden. Am Fuss der riesigen Silhouette eines ehemaligen Brauerei-Schlotes standen wir ganz nah beieinander, waren uns ganz nah in der Schwärze der Nacht, unruhig scharrten unsere Schuhe im Bauschutt des Bodens. Wir gingen weiter.

Zu später Stunde sassen wir uns in der Kneipe gegenüber. Unsere filigrane Verbundenheit des Hinterhof-Gefühls war einer kantigeren, anspruchsvolleren und gefährdeteren Harmonie gewichen, einem zitternden Einvernehmen. Uns dürstete nach Übereinstimmung und nach dem Gefühl, aneinandergelehnt voranzuschreiten. Gleichzeitig stürzten wir uns mit Insbrunst auf verfehlte Äusserungen des anderen, versuchten ihm den Konsens aufzuzwingen und die Einheit und das Beieinandergehen, um die gemeinsame Spur nicht zu verlieren. Das Gefühl hielt an für uns, die Kneipe stützte unser Gespräch, unmerklich formte sich die Gästeschar zu einem uns umhüllenden Kokon. Bier um Bier zog an uns vorbei. Als wir uns aber ans Aufbrechen machten, begann die Einheit zu vergehen, die anderen Leute kamen uns in die Quere, die Ideen entschwanden und als wir draussen standen war es ganz schnell vorbei.

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