Philip K. Dick steht im Classics-Regal der Englischen Abteilung im Dussmann nicht weit entfernt von Saul Bellow, von dem nur enttäuschende zwei Werke im Angebot sind, “The Victim” und “Humboldt’s Gift”, das ihm 1976 den Nobelpreis für Literatur einbringen sollte. “Ravelstein”, in dem Bellow seinen Freund Allan Bloom beschreibt und das ich eigentlich suche, ist nicht zu haben. Also K. Dick. Sein “The Man in the High Castle” hat einen wunderbar puristischen, weissen Einband, es wird als eines seiner wichtigsten Stücke angesehen und wurde 1963 mit dem Hugo Award ausgezeichnet. Die Geschichte ist eigentümlich realitätsnah, zumindest weniger abgerückt von der Wirklichkeit als andere seiner Bücher. Es geht darum, dass Deutsche und Japaner 1947 den zweiten Weltkrieg gewinnen, Kalifornien ist seitdem unter japanischer Besatzung, die amerikanische Ostküste nazifiziert, dazwischen existiert entlang der Rocky Mountains ein breiter Grenzstreifen, in dem das Faustrecht herrscht. Die verschiedenen Personen der Handlungsfäden konsultieren zwischendurch immer wieder das “I Ching”, ein chinesisches Orakelbuch, das die Festlandbewohner einst den Japanern nahegebracht haben, die es nun wiederum auf dem amerikanischen Kontinent einbürgern. Auch andere Bücher tauchen auf, etwa das ominöse “The Grasshopper lies heavy” von Hawthorne Abendsen, in dem die Geschichte, wie wir sie erleben (Sieg der Alliierten etc) imaginiert wird. Das Buch ist in K. Dicks Roman-Ländern selbstverständlich verboten und wird von den Wenigen, die es lesen, allzu oft mit einem schmunzelnden Verweis auf dessen unrealisitische Prämissen beiseite gelegt.

Abends dann im Kino gewesen, um “Adjustment Bureau” zu schauen, eine Filmadaption einer weiteren K. Dick-Geschichte, “The Adjustment Team” von 1954 (als DJVU bei Wikimedia). Ein toller Film mit grossartigen Bildern aus New Yorks Stadtlandschaft, zwischen deren Hochhäusern sich Matt Damon und die Herren Adjustoren eine Verfolgsungsjagd liefern. Ausserdem gibt es eines der magischsten Zusammentreffen, das ich in letzter Zeit auf der Leinwand gesehen habe, zwischen Matt Damon und Emily Blunt auf der Herrentoilette des Waldorf-Astoria Hotels. Die Geschichte erinnert mich entfernt an die Bundesromane der Romantik-Zeit, in denen ein unbedarfter Mensch sein Haus verlässt und sich hinter einer Strassenecke mit einer Organisation konfrontiert sieht, die alles über ihn weiss und sein Weltbild dahingehend zurechtrückt, dass so etwas wie freier Wille überhaupt nicht existiert, sondern sich alles nach einem vorgefügten Plan abspielt. Nicht nur wegen der traumhaften Kameraeinstellungen empfehle ich “The Adjustment Bureau” uneingeschränkt.