Ich hatte meinen Zorn wieder. Schlaflose Stunden lang hatte ich mit ihm verbracht. Der Zorn liess mich nicht ruhig mit anderen Menschen umgehen, egal ob es die Mitfahrer in der UBahn waren oder die Mittagsrunde: das Gesäusel der anderen stieg mir zu Kopf. Meine dritte Station an diesem Tag war freilich nicht angenehmer als die ersten beiden: das Büro desjenigen Professors, bei dessen Prüfung ich so kläglich versagt hatte. Ich erntete ein trockenes “Herzlichen Glückwunsch”, als ich mich als der Durchgefallene zu erkennen gab und den Nachschreibtermin in Erfahrung bringen wollte. Natürlich war ich der einzige, der nicht bestanden hatte. Nie war dieses Prozedere nötig gewesen, nie die Schmach grösser. Die Klausureinsicht blieb mir verwehrt, weil die Sekretärin noch im Mittag war. Unruhig tigerte ich durchs Institut, wollte nicht warten.

Später erreichte mich die Email des Prüfungsausschusses, dass mein Antrag einstimmig abgelehnt worden war. Die von mir beantragte Ordnungsänderung hätte mir die restlichen Vorlesungen erspart, nun lag mir die Nachklausur auf der Tasche und die Aussicht auf weitere Kurse ab April. Der Vorsitzende des Prüfungsausschusses bat mich in sein Büro. Mit gezügelter Häme wiederholte er, was er mir schon vor Einreichung des Antrags gepredigt hatte: dass Sonderwege unerwünscht seien. Ich stellte mir die studentische Vertreterin im Ausschuss vor, eine strebsame Blonde, die solche Überholmanöver ebenfalls gerne vereitelt sieht. Ob ich denn das Studium wirklich zuende führen wolle, fragte er mich. In diesem Moment war ich mir darüber selbst nicht mehr so ganz sicher. “Nicht zu Ihren Bedingungen”, war das einzige, was mir einfiel.

Das Auf und Ab in der Akademie ist ungewohnt nach den langen Wochen selbstgemachter Zukunft. Nun tritt wieder fremdbestimmtes Rumstudieren an die Stelle des zielgerichteten Durch-strebens. Der Mann wird vom Kopf wieder auf die Füsse gestellt? Mit einem Kopfschütteln verscheuche ich alle Gedanken an die Vergangenheit. Allein die Zukunft kann mir jetzt noch helfen.