Der letzte Tag in der Geschwister-Scholl-Straße liegt hinter mir. Das Studium dort endete mit Nietzsche. Der Grossteil seines Œvres steht weiterhin unerschlossen im dritten Stock, wartet auf meine Wiederkehr. Leo Strauss habe ich einigermassen unbefriedigt liegengelassen, nur sein Schüler Allan Bloom hat es sogar bis in die heimische Büchersammlung geschafft und harrt dort der Dinge. An einem Freitagabend um 8 schliesse ich Pipers Ideengeschichte, knipse das Licht am Schreibtisch aus und verlasse den Forschungslesesaal. Das Studium treibt mich von nun an wieder nach Dahlem, ganztags, 7 Wochen lang.

Aber meine Rückkehr ins Grimmzentrum lässt natürlich nicht lange auf sich warten. Sonntags um drei schlendern wir in der Sonne und mit einer kleinen Flasche Sekt um das Gebäude, tratschen über Melodramen der Caféteria und die vergangenen Nächte. Ich verbringe sogar eine Stunde lesend, allerdings nicht mit Philosophie, sondern mit Mulischs “Die Entdeckung des Himmels”. Eine Geschichte wie eine Kreuzung aus “Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins”, “Elementarteilchen” und einem unbestimmen Werk über die niederländische Nachkriegszeit. Fetzen aus Kuba. Für dieses opus magnum Mulischs, der am 30.10.2010 in Amsterdam gestorben ist, gibt es eine uneingeschränkte Leseempfehlung.