Wie es genau beginnt, das weiss man ja ohnehin nie, also wundere ich mich nicht, dass ich plötzlich in einem Casino stecke, die übliche Ausstattung, aber es gefällt mir, ich kenne viele andere Gäste und selbst den Mann an der Kasse. Welches Spiel ich mir aussuche, das weiss ich nicht mehr genau, es war ein schnelles, Blackjack oder ein Automat oder so etwas, ich setzte und setzte und verlor und verlor, der Trieb ging mit mir durch, sagt man das so? Die Gewinnsucht, das ins affirmative verkehrte Versagerleid, die Hoffnung auf eine Wende: drei Komponenten, die nicht lockerliessen. Ich gab mich hinein, spielte wieder, nahm bald die Umgebung nicht mehr recht wahr, oder lag es am eintönigen Interieur?

Später stand ich wie ein gewaschener Pudel an der Kasse, und der Thekenfuzzi summierte meine Misserfolge. Da standen Zahlen auf dem Zettel, die mir wirklich exorbitant hoch schienen, ich fragte mich allerdings nicht erst, woher ich den Schotter wohl hatte, denn die Frage nach meiner DECKUNG, die stellte sich nie. Ich wusste, dass ich nicht über meine Grenzen gegangen war. Das mulmige Gefühl in meinem Bauch war anderen Ursprungs: Ich befand mich für schuldig, mal wieder bis ans Limit gegangen zu sein. Die Zahlen, die da in vierstelliger Dimension unter- und nebeneinander geschrieben wurden, fügten sich schlussendlich zu irgendetwas mit einer 7 und drei Ziffern dahinter, es war just soviel, wie ich berappen konnte. Auf eine schnelle, elektronische Art, bezahlte ich. Die Spielautomaten machten keinen Pieps mehr, sie spielten nun Mitgefühl. Der Kassenwart sah mich eindringlich an, er wollte meinen Charakter testen. “Das war ein schlechter Abend”, sagte er. Und hoffte, dass allein das Daraufhinweisen bei mir die Sucht kurieren würde. Sein unterstellender Tonfall, die wahnsinnige Summe, das Wissen, nicht verschuldet, aber doch am Abgrund zu stehen: ich brachte nur hervor “Es war mein erster Besuch”, und verliess das Casino dann gesenkten Hauptes.

So, wie man sich nicht an den Anfang erinnern kann, weiss man auch vom Ende wenig. Danach kam nichts mehr. Die Reue höchstens, beim Aufwachen, die selbiges Ausgebverhalten im echten Leben zu verankern sucht, die Parallelen herstellt, ganz fix, ungefragt und nutzlos.