„Im Jahr 1944 wurde keine Mühe gescheut, um unsere lückenhafte Kenntnis von der Grösse, dem Wirkungsgrad und der Konstruktion der V2-Rakete zu ergänzen. Fragmentarisches Material aus vielen Quellen wurde von den verschiedenen Zweigen des Nachrichtendiensts zusammengeführt und dem Ausschuss «Crossbow» zugeleitet. Aus allem zog man den Schluss, die Rakete wiege zwölf Tonnen und der Sprengkopf eine. Dieses geringe Gewicht erklärte vieles, an dem wir herumgerätselt hatten, wie zum Beispiel das Fehlen komplizierter Abschussvorrichtungen. Wir erhielten eine Bestätigung für die Richtigkeit dieser Kalkulationen, als das Königliche Institut für Flugzeugbau Gelegenheit bekam, die Trümmer einer Rakete zu untersuchen. Diese gelangten als Folge eines grotesken, für uns aber glücklichen Zufalls, der sich bei einem am 13. Juni 1944 in Peenemünde vorgenommenen Versuch ereignete, in unsere Hände. Nach der Aussage eines Gefangenen war der Hergang folgendermassen:

Seit einiger Zeit hatten die Deutschen gegen unsere Schifffahrt Gleitbomben eingesetzt, die von Flugzeugen abgeschossen und mittels Peilung zu ihrem Ziel gelenkt wurden. Jetzt wollten sie feststellen, ob eine Rakete auf die gleiche Art gesteuert werden könnte. Man liess einen erfahrenen Gleitbombenspezialisten kommen und plazierte ihn so, dass er das abfliegende Geschoss beobachten konnte. Die Experimentatoren in Peenemünde waren es gewohnt, Raketen aufsteigen zu sehen, und sie hatten nicht daran gedacht, dass das Schauspiel den Sachverständigen für Gleitbomben überwältigen konnte. Doch es überwältigte ihn in der Tat, und zwar so sehr, dass er seine eigene Rolle in dem Experiment vergass. In seinem Erstaunen drückte er den Steuerhebel weit nach links, hielt ihn dort fest, und die Rakete drehte auch gehorsam nach links ab. Ehe sich der Mann gefasst hatte, befand sie sich bereits ausserhab des Bereichs seiner Kontrolle und flog stracks nach Schweden, wo sie niederging.

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Wir erfuhren sehr schnell davon, und nach einigen Verhandlungen wurden die Trümmer nach Farnborough gebracht, wo unsere Sachverständigen die verbeulten Überbleibsel mit bemerkenswertem Erfolg zusammensetzten.“

W. S. Churchill, Memoiren VI.1