Wir stolpern aus der Schaubühne, draussen ist der Kurfürstendamm noch in Weihnachtsbeleuchtung, obwohl das Fest schon so lange her scheint. Alle denken an Silvester, die aufgepimpten Leute in der Vorstellung vermittelten uns einen Eindruck der Touristenhorden, die auf uns zukommen würden. Ich denke an den Jahreswechsel vor zwölf Monaten. Es lag ebenfalls Schnee, die Straßen waren kalt und leer um vier Uhr morgens, als wir aus der Pappelallee nach Hause wankten. Wir hatten uns auf ein Abendessen bei einem der dinerclubs geeinigt, die Musik im Erdgeschoss des Ballhauses lud ohnehin nicht zum Tanzen ein. Um 12 waren wir rausgegangen, hatten uns die Raketenstürme über der Eberswalder angeschaut und waren von Nachbarn eingeladen worden auf Sekt und Kuchen. Die Minuten nach Mitternacht waren die üblichen endlosen, mit Sekunden angefüllten, wehmütigen Erinnerungsbatzen des vergangenen Jahres.

Wir tanzten. Der Abend schien schon weit entfernt, der Blick aus dem Fenster führte uns nur wieder und wieder dieselben Raketen und Menschenmassen vor Augen. Irgendwann standen wir wieder auf der Straße, es war nun leerer, ein verlorener Mann schritt mit halbgefüllter Sektflasche bedächtig die Reste des Feuerwerks ab. Er prostete uns zu. “Gehen wir zu dir”, war das einzige, was ihr nach diesem Anblick noch einfiel. Wir stapften die Raumer entlang, der Weg war ewig weit, es war mehr Schnee gefallen. Im Treppenhaus zog sie mich höher. Wir waren allein, endlos allein inmitten der Räume, durch die wir uns vortasteten und die sich vor unseren Füssen weiteten, eine Wohnung voller Räume, die im neuen Jahr genauso sachlich schienen wie im alten, allein wir hatten den Zauber des neuen Jahres hereingebracht, steckten die Räume an und sie uns. Das frische Jahr sollte uns noch lange wachhalten.