In seinem Buch Asiatische Absencen beschreibt Wolfgang Büscher die Überfahrt von Dubai nach Singapur, die er auf einem grossen Tankschiff unternimmt. Bald wird er ein Stammgast auf der Brücke, leistet dem zweiten Offizier bei seinen Spätschichten Gesellschaft, lernt die Verlorenheit des hellerleuchteten Raums inmitten der schwarzen Ozeannacht schätzen, beobachtet den Radarschirm, auf dem die Echos anderer Schiffe wie insektenhafte Symbole umherkriechen, mit zitternden Fühlern, die ihren Kurs anzeigen.

“Grüne Insekten krabbelten über die Schirme, ihre Fühler bebten. Eine malaiische Stimme sprach, eine Frauenstimme, noch nie auf dieser Fahrt hatte ich über Seefunk eine Frau sprechen hören. Was sie sagte, verstanden wir nicht, aber ihre Stimme war weich und dunkel, das Funkgeknister konnte es nicht verbergen, und der Glaskasten, in dem wir standen, diese Kommandovitrine in der Hitze der Nacht, wurde von Sehnsucht geflutet. Wir wagten kaum zu atmen. Als die Stimme endete, war es, als hebe sich der Tonarm von einer geliebten Schallplatte. Vielleicht war es auch nur das Knistern, das mich so denken ließ. Wir redeten kein weiteres Wort. Ich ging. Es war unser letztes Gespräch.”