An Weihnachten schläft alles ein, die Dinge kommen zu ihrer wohlverdienten Ruhe. Das Viertel leert sich, auch wenn die verschneiten Straßen und die vollgestopften Trams und überlasteten S-Bahnen alles tun um zu verhindern, dass die Menschen vom Fleck kommen. Wie ein Murmeltier im Herbst lege ich mir eine dicke Literaturschicht an, um die Wintertage durchzustehen.

Eines Tages wache ich neben der Literaturbeilage auf. Ich mache Kaffee für uns beide, dann gehen wir auf die Straße, ich frage sie nicht, was sie noch vorhat, ich will in dieser Zeit selten wissen, zu was die Menschen sich noch aufraffen. Was geht mich schon deren verzweifeltes Handeln an, ich gebe mich im Dezember so gerne und so früh wie möglich in eine Weihnachts-Lethargie, brenne Kerzen herunter, schlafe aus, keine Aufregung, keine künstliche Feierlichkeit.

Als der Schnee kam, brachte ich die Miete für den Winterstellplatz bei der Nachbarin vorbei und fuhr mit der Schwalbe eine letzte Fahrt in ihr Quartier für die kommenden Monate. Ein Lieferwagen für Pianotransporte fuhr seine letzten Touren, vielleicht ein grosses Weihnachtsgeschenk, vielleicht die Vorbereitung für eine grosse Firmenfeier mit Pianobar. An der Hauswand neben einem esoterischen Laden, das bereits geschlossen war, hatte jemand die Worte “DISAPPOINTED HURT SAD EMPTY” geklebt, ein starker und eigenwilliger Beitrag zu dem ganzen Festgerede.

Ich schliesse Hof- und Garagentor auf und schiebe mein Moped in die Lücke zwischen einer fetten Goldwings und einer kräftigen Triumph. Ich schliesse die Türen. Mein Abschied für dieses Jahr. Gehe durch den Schnee nach Hause.