Was tut man, wenn der Winter tief in einem drin steckt, wenn die Arbeit nicht lockt, die Tage auch nicht; nicht die Kneipen des nachts und nicht die Küche für gesellige Abende? Wenn Platon seelenlos ist, bloss papierne Sinnlosigkeit und seine Interpreten mir erscheinen wie Bienen, die bloss den Honig für hungrige Mäuler zubereiten, wieder und wieder?

Richtig, dann geht man los und beschafft sich Lektüre. Dussmann ist um fünf Uhr abends trotz der anrückenden Weihnachtszeit angenehm leer. Ich stehe lange vor den Reiseberichten, um endlich mal wieder Georg Forster zu kaufen. Segelliteratur. Ebenfalls bei den Reiseberichten steht Jonathan Littells “Georgisches Reisetagebuch”, das wohl eher bei der Belletristik liegen sollte. Littell ist kurz nach dem georgisch-russischen Konflikt im Herbst 2008 dorthin gereist, um journalistisch aufzuklären, worum es denn eigentlich ging. Die Schuldfrage wurde in Europa ja ziemlich schnell unter den Teppich gekehrt – ich habe mich damals gewundert, ob man bloss Russland nicht erzürnen wollte (der Winter stand vor der Tür, und Anfang 2007 hatte Russland zuletzt die Erdöllieferungen in den Westen unterbrochen), oder ob es schlicht die Georgier vermasselt hatten, man sie aber nicht so schlecht dastehen lassen wollte (was eigentlich auf dasselbe hinausläuft: Öl&Gas). Ein gutes Weihnachtsgeschenk. Ausserdem noch bei den Taschenbüchern vorbeigeschaut, Rammstedts “Der Kaiser von China”. Prosa, so ungewohnt nach all den geschichtlichen, philosophischen Texten. Die letzte Prosa, also Peltzer, war ja ein ziemlicher Reinfall. Trost finde ich dafür immer bei Osterhammels “Die Verwandlung der Welt”. Dieser 1400-Seiten Schinken liegt seit dem Frühling hier herum und wird in kleiner Dosierung genossen. Es ist eine Aneinanderreihung von Panoramen, mit denen der Historiker das 19. Jahrhundert nachzeichnet. Ich bin immer noch im Kapitel Sklavenhandel&Migration.

Die guten, alten Bücher – auch wenn die FAZ in ihrer Techniksparte mal wieder das iPad lobt und für den Weihnachtsgeschenkbetrieb geradezu als must-have erklärt; ich habe ja schon Mühe, Skripte der Universität auf dem Bildschirm zu lesen, geschweige denn ganze ebooks. Bei Büchern sind wir Kinder, unsere Hände und deren Tastsinn lassen sich eben nicht übergehen.