Als ich einmal im Nachtzug von Zürich nach Hamburg im Speisewagen an der Bar sass, sprach mich eine ältere Frau an. Dieser Zug und insbesondere die Zugbar waren während meiner Studienzeit in Zürich der günstigste Weg in den Norden. Fliegen war damals teuer. Die Nachtzüge hatten noch den Charme des Bequemen, mit ihnen liess sich in Würde reisen. Das Personal war im Stewardessen-Stil gekleidet und die niedrigeren Euro-Preise gaben mir die Illusion des Erschwinglichen. Über dem Tresen glühten Leuchtdioden in einem dunklen Decken-Baldachin, was der Bar den Charakter einer durch die nächtliche Landschaft fahrenden Höhle verlieh. Bar und Höhle – eine mystische Kombination, die ihre Wirkung auf jeden Fall nicht verfehlte.
Ich schrieb damals an einer Geschichte, die sich um die Entdeckung des Stillen Ozeans drehte. Wir waren um Fulda. Es war mein drittes Weissbier. Als ich mir gerade ausmalte, wie ein spanischer Entdeckertrupp die bergigen Vorläufer hinter sich liess und ein erstes Mal die Küste und das sich bis an den Horizont erstreckende Meer – das ruhige Meer – erblickte, da kam diese Frau heran und meinte „das sieht gut aus, wie Sie schreiben“. Sie wollte sagen, dass sie meine Art des Umschauens, Überlegens und Niederschreibens sehr ansprechend fand. Wie aber sollte ich denn sonst schreiben? Wer einmal selbst den Stift aufs Papier gesetzt hat, wird die Erfahrung gemacht haben, dass die Ideen eben nicht in einem steten Fluss kommen, sondern Denkpausen ganz hilfreich sind, in denen äussere Eindrücke, die man durch das Umherschauen einfängt, eine wichtige Rolle spielen.
So war zumindest meine innere Reaktion an der Bar. Dass sie das ganze anders gemeint haben könnte, fiel mir damals nicht ein.