Die FAZ hat ihre alljährliche Weihnachtsgeschenk-Empfehlungs-Doppelseite veröffentlicht (interaktiv hier: “Was Sie alles haben müssen”). Dabei fällt mal wieder auf, wie stark Fernsehserien ins Feuilleton gedrängt sind. Der gute alte Frank Schirrmacher empfiehlt beinahe nur Serien. Die kann man anscheinend grossflächig als DVD kaufen und sie in der Form von “Staffeln” oder “Season” erstehen, davon dann eine, zwei oder drei auf mehreren Datenscheiben. Ich will nicht altmodisch klingen, aber ist das nicht ein unverhältnismässiges Produkt? Ich habe mich, darauf bin ich nicht unstolz, durch die erste Staffel von “Lost” gekämpft, und fand den geringen Umfang der einzelnen Beiträge anfangs ganz angenehm. Eine Staffel besteht nun aber aus 20 bis 30 solcher Einzelteile, und wenn man mal den FAZ-Geschenkempfehlungszettel querliest, dann sieht man Angaben wie “Tudors Staffeln 1 bis 3, 1263 Minuten”. Naja, ist wohl eine Frage des Geschmacks, ob man zusammengerechnet fast 24 Stunden mit den Tudors zusammen verbringen will, festgeklebt vor der Mattscheibe. Auch ich habe während meinen 20 oder 21 Einheiten “Lost” die ein oder andere Sympathie für die Charaktere entwickelt und bin der Geschichte teilweise gespannt gefolgt. Nach 20 oder 21 Einheiten hat meine Abneigung gegen die Eindimensionalität der Figuren allerdings überwogen; ich war die vielen künstlichen Cliffhangers müde und das provozierte Ende mit dem Floss und dem Angriff der “Others” konnte mich nicht davon überzeugen, mir die restlichen 9 oder 10 Staffeln auch noch anzusehen. Ein Zeichen von Ideenlosigkeit, in meinen Augen, wenn der gute alte Frankie gleich drei TV-Serien auf einmal empfiehlt (“West Wing”, “24” und “Burn Notice”).

Leider hat die Literaturbeilage auch dieses Mal nicht allzuviel für mich bereits gehalten. Umso dankbarer bin ich, dass zwischen den TV-Serien auf der Geschenkratschlags-Doppelseite auch einige gute Bücher zu finden waren.