Bei CARTA ist ein unmotivierter Versuch erschienen, der angeblichen Feuilleton-Debatte über “Der kommende Aufstand” neuen Schwung zu verleihen. Dabei bezieht der Autor genau drei “Rezensionen” ein. Kurz gefasst: Die ersten beiden in FAS und SZ sind positiver Natur, diejenige der taz kommt zu einem negativen Schluss. Weiter schaut sich der Autor aber nicht mehr um. Was schade ist, denn die neueren Beiträge von FAZ, Berliner Zeitung und SZ fällen Urteile über den Text, über diesen angeblich so tollen und relevanten Text, die ganz anders anklingen als diejenigen Jubelreden ihrer Vorgänger. Die FAZ ordnet das Pamphlet beispielsweise kurzerhand ins Jugendregal ein. Dort steht auch ein anderes Werk, “Fight Club” von Palahniuk, in dem sich die Diskussionsteilnehmer im Folgenden festbeissen: Die SZ fährt, um es nicht langweilig werden zu lassen, einige Hauptschuldige der gegenwärtigen Kulturentwicklung auf, darunter Ernst Jünger, dessen neu veröffentlichten Tagebücher natürlich auf der Geschenkverordnungs-Seite der FAZ stehen, dann auch Christopher Nolans zweiter Batman-Film, der immer für Zitate gut ist, und eben Fight Club, wobei sich der SZ-Autor nicht die Mühe macht, hinter der Verfilmung von David Fincher nach den Quellen der Geschichte zu fragen, die nunmal bei Palahniuk liegen. Die Sezession ist da präziser. Aber auch hier kann die Ausführlichkeit des Textes nicht darüber hinwegtäuschen, dass “Der kommende Aufstand” nach all den Interpretationen, Deutungen und Hineinlesungen mittlerweile so vollgestopft sein muss wie ein Truthahn. Hier wurde das Kind mit dem Bade ausgeschüttet. Es mag angehen, dass die gegenwärtige Situation in Deutschland und insbesondere in Berlin dazu verleitet, die im “Aufstand” angesprochenen Massnahmen und Entwicklungsrichtungen in der Realität abgebildet zu sehen (Terrorgefahr). Dabei sind diese scheinbaren Realitätsbilder selbst zeitungsgemacht.

Im Zuge dessen muss natürlich auch eine Einschätzung meinerseits korrigiert werden: Die Castor-Proteste wären nicht substantieller gewesen, hätten die Teilnehmenden den “Aufstand” gelesen. Das kann man sich nach der Reaktion eines Blogs auf meine Generalkritik eigentlich direkt hochrechnen.