Wieder vierter Stock, Geschwister-Scholl-Straße. Der Vorschlag eines Freundes, dass man im Lesesaal einfach das WLan kappen sollte, damit weniger Leute mit ihren Latops stören, geht völlig ins Leere. Die Ablenkung im Netz ist zwar auch nervig, aber die Geräusche kommen ja vom Tippen, nicht vom Surfen alleine.

Dann der unangenehme Nebeneffekt, wenn es wirklich keine Funkverbindung gäbe: Am Recherche-Rechner vor mir treibt sich eine kleine Jura-Studentin auf Facebook rum. Sie ist heute die vierte Person, die an diesem mit einem ” i ” gekennzeichneten PC etwas tut, was nicht vorgesehen ist, während ich ganz dringend mal nachschauen möchte, wo Starobinsky steht. Ihre Antwort auf meinen Hinweis, dass sie im zweiten Stock chatten kann: “Es ist hier technisch möglich, also kann es kaum verboten sein und nicht schaden, wenn ich zwei Minuten lang meine Mails checke.”

Das ist beileibe nicht ein Totschlagargument, wie in der Diskussion unten im Foyer, über einem Kaffee, angeführt wird. Im Gegenteil. Dieser Hinweis auf die technische Machbarkeit, mithin Erlaubtheit, ist eher das vollständige Eingeständnis, dass nunmehr die Technik Sitten und Moral vorgibt, sich Verhalten allein nach ihr richtet. Was wäre denn ein guter Konter? “Es wäre technisch auch möglich, dass ich dir jetzt eine runterhaue” – ?

Diese Gesinnungs”ethik”, die nicht nach ihren Folgen fragt, zeigt eigentlich ganz gut auf, wie Maschinen vielen Leuten das Denken vorgeben.