Was macht man, wenn man sich gerade noch so aus dem finanziellen Oberloch herausretten konnte, wenn die Prekariatsspirale sich unvermutet doch nochmal nach oben dreht, wenn Armut, damit einhergehende soziale Ausgrenzung und intellektuelle Mittellosigkeit unvermittelt ein Ende haben? Wenn der Kontostand kurz aus der Tiefe auftaucht?

Richtig, man geht los und beschafft sich Lektüre. Nostalgie wollte es nicht anders, dass ich auf ein Buch zurückgegriffen habe, das ich damals verschlungen habe und das in seiner Wirrheit und seinen dunklen, unbestimmten Bildern mir ein Panorama von Berlin eröffnete, wie ich die Stadt fortan immer vor Augen haben und wie ich sie bis zu einem gewissen Grad auch erleben sollte: “Spielzone” von Tanja Dückers. Dückers’ Werk wurde nicht sehr wohlwollend aufgenommen, aber seine Geschichte tanzt – ähnlich wie in Kraussers “Einsamkeit und Sex und Mitleid” – um die verschiedenen Figuren, die in Berlin eben so angeschwemmt werden, und durch ihre Leben, die sie aufspannen, völlig unbemerkt zwischen den Lebensentwürfen der sie umgebenden Szenen. Kraussers Buch spielt vor oder an Weihnachten, aber der Titel ist jetzt zum 3. Oktober natürlich wieder hochaktuell, wenn die Hymne gesungen wird. “Spielzone” ist weniger stringent, die Beschreibungen des Prenzlauer Bergs und Neuköllns war damals, 1999, aber noch echt nicht so abgegriffen wie andere es heute sind.

Wenn man schon den Einheitstag begeht (viele wehren sich ja dagegen) muss man auch den Autor würdigen, der in seinem Werk “Helden wie wir” eine andere Geschichte des Mauerfalls gezeichnet hat: Thomas Brussig. Der Protagonist seines Buches, Klaus, hat die Schlagbäume an der Bornholmer Straße nämlich allein mit seinem gewaltigen Gemächt, nunja, “hochgekriegt”. Und das ging so: Nach einer der Demonstrationen am 4. November ist Klaus’ allzu kleiner Penis durch einen Zufall urplötzlich auf eine äusserst stattliche Grösse angewachsen. Die Grenzbeamten, die er Hosen-herunterlassenderweise fünf Tage später damit konfrontierte, waren darüber derart verdutzt, dass Klaus, nun nüchternerweise ganz Machiavell, die Gunst der Stunde nutzte und die Schranke hob. Die Teilung war beendet!

Um mich wieder etwas näher an den Blogtitel anzunähern, ausserdem Borges’ “Buch der Träume” erstanden.